Reversi vs. Othello: Was ist der Unterschied?
Zwei Namen, ein Spielbrett, fast identische Regeln – und trotzdem sorgt die Frage „Reversi oder Othello?" regelmäßig für Verwirrung. Dahinter steckt keine komplizierte Spielvariante, sondern ein interessanter Fall aus Spielgeschichte und Markenrecht. Die kurze Antwort: Reversi ist das Original, Othello ist ein eingetragener Markenname für eine leicht verfeinerte Version desselben Spiels.
Reversi: Das Original aus dem viktorianischen England
Reversi entstand um 1883 in England. Zwei Londoner, Lewis Waterman und John W. Mollett, beanspruchten die Erfindung unabhängig voneinander – wer genau zuerst war, ist bis heute nicht restlos geklärt. Das Spielprinzip war damals wie heute: Zwei Spieler setzen abwechselnd schwarz-weiß wendbare Steine auf ein Gitterbrett. Wer einen oder mehrere gegnerische Steine zwischen zwei eigene einschließt, wendet alle dazwischenliegenden Steine um. Am Ende gewinnt, wer mehr Steine seiner Farbe auf dem Brett hat.
Weil Reversi schon im 19. Jahrhundert veröffentlicht wurde und der Urheberrechtsschutz längst abgelaufen ist, gilt das Spiel heute als gemeinfrei. Jeder darf es produzieren, veröffentlichen und unter diesem Namen vertreiben – ohne Lizenzgebühren.
Othello: Die japanische Neuregistrierung von 1971
Fast neunzig Jahre nach Reversi meldete der japanische Spieleentwickler Goro Hasegawa 1971 eine verfeinerte Version des Spiels zum Markenschutz an. Der Vertrieb übernahm zunächst Tsukuda Original in Japan, später weltweit Mattel. Der Name „Othello" ist seitdem eine eingetragene Marke – weshalb du auf Schachteln, in Turnierregeln und in Fachartikeln präzise zwischen beiden Begriffen unterscheiden solltest.
Was hat Hasegawa konkret geändert? Genau genommen nur eine einzige Sache: die Startaufstellung. Bei Reversi war die Startposition der vier mittleren Steine historisch nicht fest definiert – manche Quellen beschreiben sogar, dass die Spieler die Anfangssteine selbst legen durften. Othello legt dagegen verbindlich fest, dass die vier Mittelsteine im Wechsel diagonal angeordnet beginnen:
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Diese definierte Startposition macht das Spiel von der ersten Runde an symmetrisch und reproduzierbar – ein echter Vorteil für Turniere und Analysen.
Spielregeln im Vergleich: Wo liegen die echten Unterschiede?
Abseits der Startposition sind die Regelunterschiede minimal. Beide Spiele spielen auf einem 8×8-Brett, beide verwenden wendbare Steine, und in beiden gewinnt die Farbe mit den meisten Steinen am Ende. Ein paar Details variieren je nach Regelwerk:
- Zugpflicht: Kann ein Spieler keinen gültigen Zug machen, muss er passen. Kann keiner mehr ziehen, endet das Spiel – in beiden Varianten üblich.
- Leere Felder am Spielende: Manche älteren Reversi-Regeln zählten leere Felder dem Verlierer an. Othello ignoriert leere Felder grundsätzlich.
- Brettgröße: Historische Reversi-Ausgaben erschienen teils auf kleineren Brettern. Othello standardisierte das 8×8-Format.
Was bedeutet das für dich als Spieler?
Praktisch kannst du Reversi und Othello mit denselben Steinen und demselben Brett spielen – du musst lediglich die Startaufstellung kennen. Für den Alltag am Küchentisch macht der Markenname keinen Unterschied. Für offizielle Turniere, Analysen oder digitale Implementierungen ist die exakte Regelformulierung jedoch relevant.
Wenn du das Spiel direkt im Browser ausprobieren möchtest: Auf strategy-games.de gibt es einen kostenlosen Reversi-Spieler, der komplett ohne Account läuft und keine Daten speichert – gut für eine schnelle Partie zwischendurch oder um Eröffnungsideen zu testen.
Der Name auf der Schachtel ist also Markenrecht. Das Spiel selbst – mit seinen wendenden Steinen und dem ständigen Wechsel der Mehrheitsverhältnisse – ist seit fast 150 Jahren dasselbe.